Mittwoch, 2. September 2020

Gedankenanstoß

Corona lässt eine Welt der Alternativen entdecken

Schon seit Beginn der Corona-Krise hieß es von allen Seiten, dass das Leben nach Corona ein anderes sein würde als vorher. Doch was genau würde anders werden? Vielleicht ist es die Entdeckung, dass das Leben immer auch anders gelebt werden kann. Für jede Entscheidung gibt es immer auch mögliche Alternativen. Ob alle politischen Entscheidungen richtig waren, darüber gibt es Uneinigkeit. Freiheitsbeschränkungen, Schulschließungen, Gefährdung von Arbeitsplätzen und erfolgreichen Unternehmen - tatsächlich hatten die Entscheidungen zur Eindämmung der Pandemie schwere Nebenfolgen. Doch auffällig ist, dass viele Menschen in der Corona-Krise sagten, es gehe ihnen gut oder sogar besser als vorher. Vielleicht liegt die Zufriedenheit darin, dass man endlich einmal etwas anders machen konnte bzw. musste. Menschen konnten dabei entdecken, dass ihr Lebensglück nicht vom Shoppen oder weiten Reisen abhängt. Als man den Rat der Psychologen befolgte, die Situation mit „radikaler Akzeptanz“ anzunehmen, waren viele überrascht, dass sie manches, Gedankenanstoß: Corona lässt eine Welt der Alternativen entdecken das bisher zweifellos dazugehörte, nicht vermissten. Stattdessen wurden manche Freundschaften intensiviert und neue Kreativität an sich entdeckt. Selbst in der Politik, deren Vertreter ihre Entscheidungen gerne als notwendig und alternativlos stilisieren, entdeckt man, wie viele Optionen es gibt. Wäre es anders, dann wäre eine Demokratie mit vielen gegensätzlichen Vorschlägen und Programmen ja auch nicht möglich. Aber vielleicht lernt unsere Gesellschaft durch die Pandemie, wie viele Möglichkeiten und andere Wege es geben kann. Woran liegt es wohl, dass es immer noch andere Optionen gibt? Der christliche Glaube erwartet, dass sie sich immer wieder neu bilden. „Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr‘s denn nicht?“ (Jesaja 43,19). Kein Wunder, dass wir das erst im Nachhinein entdecken. Aber es zu erwarten, heißt glauben.
Lukas Ohly

Keine Kommentare:

Kommentar posten