Mittwoch, 25. März 2020

Gedankenanstoß

Die Ruhe im Land als schöpferische Chance annehmen

 Eine scheinbar apokalyptische Stille breitet sich in der Gesellschaft aus: Wegen der Corona-Pandemie liegt das öffentliche Leben still. Menschen schwanken zwischen Panik und dem Kleinreden der Krise. Aber entziehen kann man sich der gesellschaftlichen Ausbremsung nicht. Doch vielleicht sollten wir diese Zeit auch anders betrachten: als
Ruhe, heilige Zeit, die ebenso unter Gottes Segen steht wie die Tage des geschäftigen Lebens. Im biblischen Schöpfungsbericht ruhte Gott am siebten Tag von allen Werken. Und er „heiligte“ diesen Tag. Ansonsten kommt das Wort „heilig“ in der biblischen Schöpfungserzählung nicht vor. Die Ruhe steht unter Gottes Segen. Die Pandemie hat sich durch die vernetzte Welt verstärkt. Die Globalisierung führt zu einer ruhelosen Arbeit. Auch Hamsterkäufe haben etwas von dieser Ruhelosigkeit. Könnte es nicht sein, dass wir nun Zeit finden müssen, um zu ruhen? Die Ruhe gehört mit zu den Schöpfungswerken. Hatte Gott an jedem Schöpfungstag damit begonnen zu sagen, was geschehen soll, hört er nun auf zu sprechen. Während die sechs Tage jeweils schließen mit den Worten: „Da ward aus Abend und Morgen der nächste Tag“, fehlt dieser Hinweis beim siebten Tag. Vielleicht deshalb, weil die Ruhe, die die Schöpfung braucht, nicht vollendet sein kann. Die Schöpfung braucht die Ruhe bis zum heutigen Tag. Ruhe ist selbst schöpferisch. 

Virologen rechnen damit, dass sich die Pandemie langsamer ausbreitet, wenn die Menschen weitgehend zu Hause bleiben, die Schulen, Fabriken und sogar Kirchen geschlossen bleiben. Die Schöpfung wird sich erholen, nachdem bisher das produktive Leben mit seiner Schnelligkeit von der Wucht eines Virus eingeholt wurde. Auch die Finanzkrise 2008 hatte sich durch einen Sonntag verlangsamt, weil die Märkte ruhen mussten. Ruhe schafft neue schöpferische Kräfte. Und wenn Gottesdienste abgesagt werden, geschieht das zum Lob Gottes, der uns seine schöpferische Ruhe schenkt.
Der Tag der Ruhe ist gekommen. Nehmen wir ihn beruhigt aus Gottes Hand.

Lukas Ohly



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