Samstag, 5. Oktober 2019

Gedankenanstoß


Selbstkritische Töne zum Erntedank


Es ist zu leicht, anklagend immer auf andere zu zeigen. Wenn es um den Klimawandel geht, sind immer die anderen schuld. Deutschland protestiert gegen die Rodung der Urwälder in Brasilien. Der brasilianische Präsident antwortet darauf, dass er nur nachholt, was Europa schon vor Jahrhunderten getan hat. Warum sollte ein Land die grüne Lunge für die Welt sein?
Als Schüler der Fridays for Future-Bewegung gegen den Klimawandel protestiert haben, hat man ihnen vorgeworfen, von ihren Eltern mit dem Auto zu den Demonstrationen gefahren zu werden. Die Schüler jedoch klagen nicht die Generation ihrer Eltern an. Zwar kritisieren sie die Politik, aber sie verzichten auf Schuldzuweisungen für das Verhalten der vorangegangenen Generationen. Vielleicht ist das ein Angebot für eine friedliche, konstruktive und demokratische Lösung des Klimaproblems. Von Jesus ist das Wort überliefert: „Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr?“ (Lukas 6, 42). Strenggenommen ist auch diese Bemerkung eine Schuldzuweisung an andere. Sie macht darauf aufmerksam, wie schwer es ist, Verhältnisse zu kritisieren, ohne dabei Schuld auf andere abzuladen. Selbst Jesus ist das zu Lebzeiten nicht immer gelungen. Dass er für Versöhnung einsteht, hat sich erst mit seinem Tod am Kreuz vollendet. An der neuen Schülerbewegung bewundere ich, dass sie bereit ist, selber neue Lebensweisen auszuprobieren. Studierende „fasten“ Plastik und kaufen Lebensmittel ein, die ohne Plastik verpackt sind. Der Einzelhandel stellt sich darauf ein und bietet zunehmend plastikfreie Verpackung an. Die Anzahl der Vegetarier ist unter jüngeren Menschen höher als unter Älteren. Auch dieses Verhalten ist für die Umwelt förderlich, da unser massiver Fleischkonsum eine große Belastung für die Umwelt darstellt. Denn während fünf Prozent der Erdoberfläche für Nahrungsmittel genutzt werden, werden 31 Prozent als Weideland und Futtermittel benötigt. Mit der Ernährungsumstellung wird dann natürlich auch eine andere Landwirtschaft benötigt. Anstatt Schuld zuzuweisen, können wir also auch gute Gegenbeispiele nennen, um uns selbst zu verändern.
Lukas Ohly


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