Sonntag, 1. September 2019

Gedankenanstoß


Demokratie ist der Wesenszug der Kirche

Der landesweite Slogan der bevorstehenden Kirchenvorstandswahl „Jetzt erst recht“ entspricht tatsächlich der Stimmung unter den Ostheimer Kandidaten: Die finanziellen Spielräume der Kirchengemeinden werden enger. Aber vielleicht gerade deshalb haben Gemeindeglieder Lust, die Ostheimer Kirchengemeinde mitzugestalten. Nicht vorgeformte Wege sind jetzt gefragt, sondern Phantasie und Spielfreude. Sich neu zu organisieren, kann Pionierarbeit bedeuten, für die sich kreative Christen gerne anbieten. Fast alle, die für eine Kandidatur angefragt wurden, haben sich auch dazu entschieden. Sie haben sich geehrt gefühlt und waren oft überrascht, dass ihnen dieses Amt zugetraut wird.
In den Gesprächen mit den Kandidaten entstanden bereits Impulse oder neue Ideen, wie Kirche vor Ort gestaltet werden kann, auch wenn man sich von bisherigen Strukturen verabschieden wird. Die Gemeinde spürt, dass sie selbst es ist, die über ihr Erscheinungsbild entscheidet. Demokratische Beteiligung ist ein Wesenszug der evangelischen Kirche. Es kann überraschen, wenn man plötzlich selbst gebeten wird, dem Leitungsgremium der Kirche anzuge-hören, aber das zeigt nur, wie dicht jeder Christ am Entscheidungs-prozess der Kirche steht. Eine demokratische Kirche setzt sich bewusst der Bereitschaft aus, Neues auszuprobieren und manche Entscheidungen zurücknehmen zu können. Das unterscheidet sie von all jenen Religionsgemeinschaften, die sich für unfehlbar halten, weil sie im Namen Gottes sprechen. Für die evangelische Kirche bedeutet Kirchenleitung immer auch Leitung durch fehlbare Menschen. Sie erheben sich nicht über den Rest der Gemeinde, sondern sind auf Fürbitte und Solidarität angewiesen. Ein guter Anfang für den neuen Kirchenvorstand ist daher eine hohe Wahlbeteiligung. Fehlbare Menschen treten an, die die volle Unterstützung der anderen fehlbaren Menschen verdienen. Schwere Entscheidungen stehen an. Und manches kann nicht allein, sondern nur im Verbund mit allen evangelischen Gemeinden entschieden werden.
Lukas Ohly


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