Sonntag, 5. August 2018

Gedankenanstoß


Die Sprache des Glaubens sensibilisiert zum Tun
Sprachwissenschaftler zeigen, wie stark die Sprache menschliche Gefühle und moralische Wertungen beeinflusst. Derselbe Sachverhalt sprachlich verschieden dargestellt, kann unterschiedliche Meinungen ausdrücken. So ist es auch mit dem Wort Geld. Wenn Kirche mit Geld in Zusammenhang gebracht wird, empfinden das die meisten Menschen als negativ. Kirche soll möglichst kein Geld „ausgeben“ und schon gar nicht „verdienen“. Manche finden es zudem unangenehm, Kirchensteuer zu „zahlen“. Völlig anders sind die moralischen Wertungen dagegen, wenn Kirche Geld für Bedürftige „zur Verfügung stellt“. Jetzt finden die meisten Menschen es nicht nur positiv,
dass Kirche das leistet, sondern sie erwarten von der Kirche auch, dass sie diese Leistung für Bedürftige erbringt. Das Diakonische Werk Hanau etwa berät Menschen in Notlagen, z.B. in der Schuldnerberatung, so dass sie ihrer Not entkommen. Dazu beschäftigt die Kirche psychologische und sozialpädagogische Fachkräfte. Niemand muss für diesen Dienst „zahlen“: Die Bedürftigen selbst erhalten keine Rechnung für diese Hilfe. Und auch Christen, die von ihrer Kirche dieses Engagement fordern, fördern diesen Dienst durch ihren finanziellen Beitrag. Indem wir anders sprechen, nehmen wir genauer wahr, was wir tun. Wir sollten daher davon sprechen, dass Christen mit ihrer Kirchensteuer einen Beitrag für eine gerechte Gesellschaft leisten. Auf diese Leistung können alle, die sie erbringen stolz sein. Sie honorieren den Dienst von Pfarrerinnen und Pfarrern, die als Seelsorger frühzeitig Betroffene beraten, damit sie nicht erst psychisch erkranken. Mit ihren Beträgen kommt die Solidargemeinschaft der Christenheit dafür auf, dass Gottesdienste gefeiert werden können, die Menschen in ihren Lebenslagen berühren. Diese Unterstützung von Christen an ihrer Gemeinschaft bewertet man positiv, während man sich zugleich darüber ärgert, dass Kirche „Geld braucht“ - nur weil es anders ausgedrückt wird. Der christliche Glaube verdankt sich dem Wort Gottes. Deshalb sind Glaubende sensibel dafür, wie durch Sprache der Mensch die richtigen Orientierungen gewinnt. Lukas Ohly

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