Dienstag, 8. Mai 2018

Gedankenanstoß


Der Himmel auf Erden
 „Weißt du, wo der Himmel ist? Außen oder innen? Nicht so tief verborgen? Nicht so hoch da oben?“, so fragt Wilhelm Willms in seinem Lied (EG 622). An Himmelfahrt feiern wir, dass Jesus Christus nach seiner Auferstehung in den Himmel auffährt. Einige Gemeinden feiern deshalb an diesem Tag Gottesdienste im Grünen, um einen freien Blick auf den Himmel zu haben.
Die Bibel erzählt ganz plastisch von der Himmelfahrt,
schon fast kindlich. Jesus wird hochge-hoben und von einer Wolke in den Himmel aufgenommen. Die Jünger sehen ihm nach, wie er so in den Himmel auffährt (Apg 1,9-10). Aber dabei sollen sie nicht verharren. Zwei Männer in weißen Gewändern fordern die Jünger auf, den Blick nicht an den Himmel zu heften. Darum feiern wir in Ostheim gerade nicht im Grünen Gottesdienst, sondern in der Kirche. Denn die Jünger sind nicht stehen geblieben und haben Richtung Himmel gestarrt, sondern sie sind umgehend in den Tempel gegangen. Scheinbar ist der Himmel, in den Christus aufgenommen wird, gar nicht der Himmel, den wir sehen. Thront Gott wirklich auf einer Wolke und Jesus sitzt an seiner rechten Seite und so betrachten beide uns Menschen auf der Erde? Das scheint mir doch eine sehr vereinfachte Vorstellung.
„Weißt du, wo der Himmel ist?“. Das Lied beschreibt den Himmel als etwas, das uns umgibt. Als etwas, das wir erfahren, wenn wir uns nur einen kleinen Sprung aus unseren Sorgen hinaus-wagen. Der Autor behauptet, der Himmel ist gar nicht hoch oben und weit weg. Der Himmel ist vielmehr etwas, worin wir uns aufgehoben fühlen. Wenn Jesus Christus bei seiner Himmelfahrt etwas von sich in dieser Welt zurückgelassen hätte, dann könnten wir ihn heute um uns herum erfahren. Er wäre nicht weit weg, sondern allgegen-wärtig hier um uns herum.
Wir könnten ihn erfahren, in dem, was uns umgibt, – wenn wir lieben oder wenn wir Glück und Trost erfahren. Wir könnten den Himmel auf Erden immer dann erleben, wenn uns im Leid dieser Welt etwas Himmlisches widerfährt.
Anna Imhof

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