Mittwoch, 4. April 2018

Gedankenanstoß



Ausrottung des Todes durch die Medizin?
Der Historiker und Bestseller-Autor Yuval Noah Harari nennt als Hauptprojekt des 21. Jahr-hundert die Ausrottung des Todes. Mit Hilfe von Medizin, Gentechnik und Informatik könnte das Altern der Menschen aufgehalten werden. Erkrankte Gehirngewebe könnten neu gezüchtet werden oder durch implantierte Elektrochips ersetzt werden. Der alte Traum von Verjüngungskuren könnte endlich wahr werden. Religionen, so meint Harari, hätten dann keine Bedeutung mehr, wenn es keinen Tod gäbe und damit keine Hoffnungen auf ein Leben nach dem Tod geweckt werden könnten. Nun wären Religionen zynische Lehren, wenn sie vom Tod der Menschen abhängig wären.
Religiöser Mitleid und Trost wären unaufrichtig, weil Menschen sterben müssten, damit Religionen überhaupt existieren könnten. Demgegenüber ist zu betonen, dass aus christlichen Gründen die medizinischen Heilungserfolge, die Verbesserung der Lebens-qualität sowie Verlängerung der Lebenszeit zu begrüßen sind. Und sollte es möglich sein, den Tod auszurotten, wäre das die Erfüllung der christlichen Hoffnung. Allerdings hat der christliche Glaube unter „Tod“ nicht einfach das Ende eines funktionierenden Organismus verstanden. Für Paulus etwa bedeutet „Tod“, dass der Mensch unter den Bedingungen der Sünde leben muss. Wie grausam wäre ein unendliches Leben in Armut? Wie grausam wäre es, wenn Häftlinge eine lebenslängliche Haftstrafe antreten müssten, aber unendlich lange lebten? Wie ungerecht wäre es, wenn Menschen von nun an unendlich lange ausgebeutet werden könnten? In einer ungerechten Welt ist die Ausrottung des Todes kein Glücksfall für die Menschheit, sondern höchstens ein Ausdruck von Ausbeutung der wenigen Mächtigen. Der christliche Glaube verbindet deshalb die Hoffnung auf Auferstehung mit Gottes Gerechtigkeit: Sonst bliebe der Tod in der Welt, auch wenn Menschen unendlich lang darin leben könnten. Solange sich die Beziehungen unter Menschen nicht verbessern, wird der Tod nicht ausgerottet sein. Gott wurde Mensch, um die Beziehungen unter Menschen zu heilen. 

Lukas Ohly


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