Mittwoch, 29. November 2017

Gedankenanstoß Dezember-Januar 2017-18

Pfr. dr. Lukas Ohly

Hinter die Lichter zum Leuchten hindurchdringen
In der berühmten biblischen Weihnachtsgeschichte wird mit merkwürdigen Worten beschrieben, wie der Engel den Hirten auf dem Felde begegnete. In dem Moment, als der Engel erschien, heißt es: „Die Klarheit des Herrn leuchtete über sie“ (Lukas 2, 9). Deshalb fingen die Hirten an, sich in religiöser Erregung zu fürchten, weil ihnen „Klarheit leuchtete“.
Übersetzen lässt sich auch: „Der Schein schien.“ Merkwürdig an diesem Vers ist zweierlei: Gott der Herr ist in dieser Szene gar nicht anwesend; es ist nur sein Engel zugegen. Dennoch leuchtet Gottes Klarheit.
Offenbar kann etwas Ausstrahlung haben, was nicht da ist. Und zweitens:
Es leuchtete kein Gegenstand, kein Lichtkörper und kein reflektierter Gegenstand. Nicht einmal der Engel leuchtete, sondern die „Klarheit des Herrn“. Offenbar sahen die Hirten ein Licht, ohne dass „etwas“ leuchtete. Oder genauer: Das Leuchten war im Vordergrund ihrer Aufmerksamkeit, nicht aber ein leuchtender Gegenstand.
Nun bekommt man keine neuen Informationen, wenn man erfährt: „Die Klarheit schien.“ Es gehört nämlich zum Wesen der Klarheit, also des Scheins, das sie scheint. Man erfährt daher nichts Neues, wenn man hört: „Der Schein scheint.“ Eine Lampe ist auch noch da, wenn man sie ausstellt. Einen Schein kann man dagegen nicht aus-stellen. Er wäre dann einfach nicht mehr da. Offenbar sind die Hirten aber genau darauf aufmerksam geworden. Es hat sie erschreckt, dass der Schein scheint und die Klarheit leuchtet. Sie haben also eine Erfahrung gemacht, die über das hinausgeht, worüber man sich informieren kann. Genau deshalb „fürchteten sie sich sehr“ (Lukas 2, 9). Dieses Erschrecken muss sich auf etwas anderes richten als auf weltliche Gegenstände. Es muss sich auf etwas richten, was die Welt zur Welt macht - nämlich etwas jenseits der Welt. Dennoch zeigt es sich ja in der Welt: im Scheinen des Scheins. Vielleicht kein Wunder, dass wir in diesen Wochen mit dem Licht spielen: Uns soll so stark geleuchtet werden, dass wir die Lampen dabei vergessen und nur noch den Schein erleben.

Lukas Ohly



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